Nesselsucht, Nesselfieber (Urtikaria)

 

Nesselsucht ist relativ häufig, ausgesprochen vielgestaltig und hat vielerlei Ursachen. Nesselsucht kann deshalb von Laien auch leicht verwechselt werden, z.B. mit einer Allergie oder Neurodermitis.

Bei unangenehmen, juckenden Hautveränderungen sollten Sie deshalb immer den Arzt aufsuchen.
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Ihren Namen hat die Nesselsucht von der Brennnessel, lateinisch Urtica. Die Haut reagiert z.T. ähnlich wie nach einer Berührung von Brennnesseln.

Symptome

Typisch sind Juckreiz, Quaddeln und Schwellungen (Angioödeme) der Haut.

Quaddeln sind kleine Erhebungen der Haut, die sich mit Wasser füllen. Wenn mehrere Stellen zusammenwachsen, können sich größere Flächen bilden. Selten kann auch der ganze Körper von Nesselsucht betroffen sein.

Angioödeme sind Wasseransammlungen tiefer in der Haut, die an der Oberfläche zu Schwellungen führen. Sie treten häufig rund um Augen und Mund auf.

Häufig normalisiert sich die Nesselsucht von selbst: innerhalb von Stunden bis zu wenigen Wochen. Nesselsucht ist NICHT ansteckend.

Auslöser

Es gibt sehr viele verschiedene Auslöser für eine Nesselsucht und nicht selten reagieren Betroffene auf mehrere Auslöser. Entsprechend den Auslösern wird die Nesselsucht in verschiedene Arten eingeteilt, aber die Übergänge sind fließend und es finden sich viele verschiedene Einteilungen. Die nachfolgende Auflistung ist deshalb nur beispielhaft.

Physikalische Urtikaria

Als „physikalisch“ werden alle Nesselsuchtarten bezeichnet, die durch einen bestimmten physikalischen Reiz ausgelöst werden, z.B.:

  • Urtikaria Faktitia: Reiben und Kratzen der Haut.
  • Druckurtikaria: z.B. Riemendruck beim Tragen schwerer Lasten, Stöße.
  • Kälteurtikaria, auch als „Kälteallergie“ bezeichnet. Doch handelt es sich dabei ausdrücklich nicht um eine Allergie.
  • Lichturtikaria: Nach Sonneneinstrahlung, deshalb irreführend auch „Sonnenallergie“ genannt.
  • Wärmeurtikaria: Immer genau an der Körperstelle, an der es sehr warm war.

Die Symptome einer physikalischen Nesselsucht treten meist (nicht immer) genau an der Stelle auf, an der auch der Reiz eingewirkt hat.

Spontane Nesselsucht

Bei der spontanen Urtikaria kann zwar der Auslöser bekannt sein, jedoch ist es für die Betroffenen schwer vorhersagbar, ob ihre Haut reagiert: Wie aus heiterem Himmel juckt es, bilden sich Quaddeln und/oder Schwellungen.

Auslöser können z.B. sein:

  • Entzündungen und Infektionen
  • Unverträglichkeiten von Medikamenten, z.B. bestimmte Schmerzmittel, Antibiotika oder blutdrucksenkende Medikamente
  • Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten
  • Körpereigene Stoffe (Autoreaktion)

Es gibt auch Nesselsucht, bei der unklar ist, woher sie kommt, die sogenannte „idiopathische Urtikaria“.

Bis zu sechs Wochen Dauer spricht man von einer „akuten spontanen Urtikaria“ – im Gegensatz zur selteneren „chronischen spontanen Urtikaria“, die länger dauert.

Andere Formen

Weitere Formen der Nesselsucht sind z.B.:

  • Schwitzurtikaria (Cholinergische Nesselsucht, Wärmerefluxurtikaria): nach Erhöhung der Körpertemperatur, z.B. Fieber, scharfes Essen, heißes Bad, Stress, Sport
  • Anstrengungsurtikaria
  • Kontakturtikaria: nach Kontakt mit bestimmten Stoffen
  • Aquagene Urtikaria: Kontakt mit Wasser

Auslösemechanismus

Was auch immer die Nesselsucht in Gang setzt, beteiligt sind immer die Mastzellen. Diese sind normalerweise für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig, aber bei der Nesselsucht überreagieren sie. Sie schütten unter anderem das Histamin aus, das für den lästigen Juckreiz und die weiteren Symptome sorgt.

Behandlung von Nesselsucht

Wenn die Auslöser bekannt sind, ist Vorbeugung die beste Behandlung, das heißt: Der oder die Auslöser sollten gemieden werden. Auch beim Auftreten der Symptome wird möglichst der Auslöser behandelt, z.B. die Infektion, oder gemieden, z.B. Sonne, Kälte, Schwerstarbeit.

Wenn die Auslöser nicht bekannt oder nicht behandelbar sind, werden die Symptome gelindert:

  • Antihistaminika wirken gegen das Histamin. Sie lindern den Juckreiz und reduzieren die Quaddeln und Schwellungen.
  • Kortisonhaltige Medikamente werden nur selten und bei starken Beschwerden eingesetzt.

Da die Ursachen der Nesselsucht oft vielschichtig und/oder nicht genau feststellbar sind, ist bei chronischen und schweren Formen eine enge Zusammenarbeit mit dem Arzt erforderlich. Zum Teil werden auch Medikamente eingesetzt, die nicht direkt für die Behandlung der Nesselsucht zugelassen sind. Das ist ein sogenannter „off label use“, den der Arzt immer mit dem Patienten abstimmt.

Links zu umfangreichen Informationen

UNEV urticaria network e.V. www.urtikaria.net/
Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Nesselsucht
Onmeda www.onmeda.de/krankheiten/nesselsucht.html

 

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